Deutschland hat sich verändert, der Antisemitismus nicht

Deutschland hat sich verändert, der Antisemitismus nicht


Die deutsche Demografie und Mentalität mögen sich verändert haben, so wie auch der Status der bilateralen Beziehungen Deutschlands und Israels. In unserer launischen Welt gibt es keine Garantien für unzerbrechliche Partnerschaften.

Deutschland hat sich verändert, der Antisemitismus nicht

Von Michael Laitman, Israel haYom

Eine von American Jewish Committee durchgeführte aktuelle Studie zu Deutschen und in Deutschland lebenden Muslimen stellte fest, dass 60% beider Bevölkerungen Antisemitismus als ein in Deutschland weit verbreitetes Phänomen betrachten, das im Verlauf der letzten 10 Jahre zugenommen hat. Aber die Studie brachte auch die breite Kluft ans Licht, die zwischen den beiden Bevölkerungen in Sachen der Gründe für diesen Hass besteht und zeigte, wie tief der Antisemitismus in allen Sektoren der Gesellschaft verwurzelt ist.

Laut der Umfrage stimmen 34% der Gesamtbevölkerung und 54% der in Deutschland lebenden Muslime der Aussage zu: „Juden nutzen ihren Status als Völkermordopfer im Zweiten Weltkrieg zu ihren Gunsten.“ Die Umfrage deckte auch auf, dass 18% der Deutschen und 46% der Muslime der Aussage zustimmen: „Juden haben in den Medien zu viel Macht.“ Ein ähnlicher Anteil findet: „Juden haben in der Politik zu viel Macht.“

Diese AJC-Umfrage ist in einer Zeit veröffentlicht worden, in der deutsche Behörden hohe Grade an Antisemitismus berichten. 2021 gab es 3.028 Hassverbrechen, die sich gegen Juden richteten. Das ist die höchste Zahl aller Zeiten, die die Polizei registrierte, seit sie 2001 begann Berichte zu antisemitischen Vorfällen aufzuzeichnen.

Mich überraschten diese Statistiken nicht, die zeigen, wie schlimm die Lage für Juden in Deutschland ist. Ich beziehe mich darauf nicht in Begrifflichkeiten von richtig oder falsch; ich evaluiere sie als faktische Realität, die sich im Verlauf der Zeit nicht zu verbessern scheint. Ich habe kein entschlossenes Handeln seitens jüdischer Organisationen zur Eliminierung dieses Phänomens gesehen, denn was getan wird, um gegen Antisemitismus vorzugehen, läuft auf lediglich formale Maßnahmen hinaus: Antisemitische Vorfälle werden weithin berichtet, man erhält Gelder zum Angehen des Problems, es wird eine ineffektive Kampagne durchgeführt und der Zyklus beginnt von vorne.

Die aktuelle Lage ist genauso wie vor dem Holocaust, als ein Anstieg des Antisemitismus berichtet wurde, man aber nicht wirklich etwas unternahm, um diesen auszumerzen. Im Gegenteil, der Holocaust entfaltete sich. Nur endlos über die ständige Bedrohung der Juden zu reden, ohne das Problem gründlich zu lösen, ist bedeutungsloses Bemühen. Es verhindert nichts, so wie es auch in der Vergangenheit nie etwas verändert hat.

Deutsche Juden sollten auch die Tatsache einbeziehen, dass die deutsche Demografie und Mentalität sich verändert haben. Die aktuelle Bevölkerung ist keine Generation mehr, die sich des Holocaust und der Beteiligung des Dritten Reichs sehr bewusst ist, was also kümmert es sie? Die Deutschen mögen immer noch Unterstützung für die Juden und Israel zum Ausdruck bringen, weil ein nationaler Druck verbleibt das zu tun, aber tief innen drin ist die Trauer oder das Schuldgefühl verschwunden. Sie haben davon die Nase voll und verstehen nicht, was wir von ihnen wollen. Solche Einstellungen sind dem Status der Juden in Deutschland abträglich, die trotz des Antisemitismus bleiben, weil sie immer noch das Gefühl haben, dass es ihnen gut geht; man könnte aber fragen: Wie lange noch?

Dasselbe gilt für den Status der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Deutschland ist von Israel als solider Verbündeter in Europa betrachtet worden. Zum Beispiel sagte die frühere Kanzlerin Angela Merkel 2008, Israel Sicherheit sei Teil der nationalen Interessen Deutschlands. Sie fühlte sich verpflichtet darüber zu sprechen und gab ihrer Sympathie für das jüdische Volk Ausdruck – wegen Deutschlands Vergangenheit. Sie gehörte zu der Generation, in der das üblich war, eine Art höflicher Verpflichtung, die beginnt schnell irrelevant zu werden. Eine neue Regierung ist an der Macht und die Mentalität des Volkes hat sich in Bezug auf Israel ebenfalls verändert.

Mit anderen Worten: In der unbeständigen Welt, in der wir heute leben, gibt es keine Garantien für unzerbrechliche Partnerschaften. Wir Juden müssen an einen Punkt gelangen, an dem wir untereinander Partner werden, damit unsere Zukunft nicht länger von Unterstützung von außen abhängt. Wir können niemandem trauen als uns selbst. Unsere Nation wurde gegründet, um das Prinzip „Liebe deine Freunde wie dich selbst“ zu verwirklichen und indem wir das tun, zu einem Kanal für solche Verbindungen zur Menschheit zu werden – der Bedeutung von „ein Licht unter den Nationen“ zu werden. In der endgültigen Analyse heißt das: Je gespaltener wir sind, desto mehr wird der Antisemitismus zunehmen; und je näher wir einander sind, desto positiver wird die Welt auf uns reagieren.

Übersetzt von Heplev


Autor: Heplev
Bild Quelle: Symbolbild


Dienstag, 24 Mai 2022

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