Sündenbock Israel. Fehlmeinungen, Fragen und Antworten zum „Nahostkonflikt“ (Teil 8)

Sündenbock Israel. Fehlmeinungen, Fragen und Antworten zum „Nahostkonflikt“ (Teil 8)


Behautpung 8: „Israel führt immer wieder kolonialistische Kriege, um sein Staatsgebiet zu erweitern.“

Sündenbock Israel. Fehlmeinungen, Fragen und Antworten zum „Nahostkonflikt“ (Teil 8)

Alle großen Kriege, die Israel in den vergangenen Jahrzehnten führen musste, wurden durch arabische Staaten ausgelöst.

Im Jahr 1948 überfielen fünf arabische Staaten den gerade ausgerufenen Staat Israel, mit der klaren Absicht ihn zu vernichten und seine jüdischen Bewohner zu vertreiben. Dass es nicht dazu kam, liegt lediglich daran, dass Israel im Unabhängigkeitskrieg die Oberhand gewann.

 

Weltweit sind mir keine großen Kriege bekannt, die nicht zu Gebietsverschiebungen führten. Israel erweiterte, nach dem siegreich beendeten Verteidigungskrieg, sein Staatsgebiet um 23% – das ist rund ein Viertel des Gebiets vom Bundesland Niederösterreich – und verlor hingegen das jüdische Viertel der Altstadt von Jerusalem, inkl. der „Klagemauer“, dem wichtigsten Heiligtum des Judentums. Aus diesen verlorenen Gebieten, die danach zu Jordanien gehörten, wurden alle Juden vertrieben.

Auch die Schuldfrage für den Sechstagekrieg kann eindeutig beantwortet werden: im Jahr 1967 befahl der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser, seiner – von Russland hoch aufgerüsteten und zahlenmäßig starken Armee – den Aufmarsch an der Grenze zu Israel. Ägypten verbündete sich mit Syrien und Jordanien und ein ägyptischer General übernahm damals den Oberbefehl über die jordanische Armee.

Nachdem Nasser die im Sinai stationierte Friedenstruppe der UNO gewaltsam vertrieben hatte, sperrte er die Straße von Tiran, den einzigen Zugang zum Hafen von Eilat für israelische Schiffe. Lautstark verkündeten die Ägypter ihre Absichten: Sie teilten den Israelis mit, dass sie nun Israel vernichten und die Juden ins Meer treiben werden.

Wegen dieser Bedrohung durch die hochgerüsteten arabischen Armeen (mit insgesamt 250.000 Soldaten, 2000 Panzern und 700 modernen MIG-Kampfflugzeugen) und der Bedrohung durch die PLO, deren damaliger Anführer – Ahmad Shukeri – die islamische Welt zum Heiligen Krieg gegen Israel aufrief, musste Israel eine Vollmobilmachung anordnen und alle Reservisten zur Armee einberufen. Das hatte zur Folge, dass die Wirtschaft Israels nach wenigen Wochen am Rande des Zusammenbruches stand.

Unter all diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass Israel am 5. Juni 1967 – also 3 Wochen nach dem militärischen Aufmarsch der Ägypter – einen Präventivschlag führte und die ägyptische Armee in sechs Tagen besiegte.

Getäuscht durch die ägyptische Siegespropaganda, befahl König Hussein von Jordanien seiner Armee einen Angriff auf Israel und ließ das UNO-Hauptquartier im Süden Jerusalems, besetzen. Auf den Beschuss der Neustadt von Jerusalem und der Küstenstadt Netanja durch die jordanische Armee, reagierte die israelische Regierung mit einer Botschaft an König Hussein, indem er gebeten wurde, alle Kriegshandlungen sofort zu beenden. Im Gegenzug versicherte Israel König Hussein, sein Staatsgebiet nicht anzugreifen, wenn der Beschuss israelischer Städte eingestellt wird.

Erst als die Jordanier ihre Angriffe nicht beendeten, entschloss sich Israel zu einem Gegenangriff, der mit der Niederlage der jordanischen Armee und der Eroberung der Altstadt von Jerusalem sowie der Westbank endete.

Auch Syrien wollte die vermeintliche militärische Niederlage Israels ausnutzen und griff Israel im Norden an. Die Aggression der Syrer endete ebenfalls mit einer Niederlage, und Syrien verlor die strategisch wichtigen Golanhöhen – von denen aus die syrische Armee jahrelang immer wieder israelische Dörfer und Kibbuzim beschossen hatte.

Sechs Jahre später, im Jahr 1973, überfielen erneut die vereinigten Armeen von Ägypten und Syrien, ausgerechnet an Yom Kippur (dieser Versöhnungstag ist der höchste jüdische Feiertag überhaupt) den Staat Israel und verloren, nach anfänglichen militärischen Erfolgen, auch diesen Krieg, wobei auf israelischer Seite 2.500 Tote und 7.500 Verwundete zu beklagen waren.

All die angeführten Kriege waren Angriffskriege der arabischen Staaten gegen Israel und keine von Israel ausgelösten „kolonialen“ Kriege. Ohne die Kriege von 1948 und 1967 wären noch heute das gesamte Westjordanland (inkl. der Altstadt von Jerusalem) und Gaza in arabischer Hand, und die Palästinenser hätten längst ihren so herbeigesehnten eigenen Staat ausrufen können.

Theodor Much war von 1990 bis 2020 Präsident der jüdisch-liberalen Gemeinde Or Chadasch Wien und veröffentlichte als Sachbuchautor bislang 12 Bücher zu den Themen Aberglaube, Fundamentalismus, Scheinmedizin, Religion, Satire.


Autor: Mena-Watch
Bild Quelle: Archiv


Dienstag, 06 Juli 2021

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