Ein neues Kapitel und ein dunkles Vermächtnis: 20 Jahre Synagoge am Jakobsplatz und das Gedenken an die Pogromnacht

Ein neues Kapitel und ein dunkles Vermächtnis: 20 Jahre Synagoge am Jakobsplatz und das Gedenken an die Pogromnacht


Zum doppelten Anlass des 20. Jahrestages der Grundsteinlegung der Synagoge am Jakobsplatz und des Gedenkens an die Schrecken der Pogromnacht spricht Charlotte Knobloch über die Bedeutung dieser Ereignisse für das jüdische Leben in München und die unerschütterliche Hoffnung auf eine Zukunft ohne Angst.

Ein neues Kapitel und ein dunkles Vermächtnis: 20 Jahre Synagoge am Jakobsplatz und das Gedenken an die Pogromnacht

Am 9. November 2023, dem Tag, der in der Geschichte sowohl für tiefe Trauer als auch für erneuerte Hoffnung steht, versammelte sich die Gemeinschaft in München, um zwei bedeutende Ereignisse zu gedenken: die 20-jährige Jubiläumsfeier der Grundsteinlegung der Synagoge am Jakobsplatz und das Gedenken an die Pogromnacht von 1938. Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland, reflektierte in ihrer bewegenden Rede die tiefe emotionale Resonanz dieses Tages.

Knobloch sprach über das Paradox der Zeit - wie zwanzig Jahre einerseits eine messbare Zahl sind, andererseits aber kaum die emotionale Tiefe und die Bedeutung dieses Zeitraums für sie persönlich und die Gemeinschaft erfassen können. Sie erinnerte an die Momente der Angst und der Hoffnung, die die Grundsteinlegung begleiteten, und hob hervor, wie die Unterstützung durch bedeutende politische Persönlichkeiten wie Christian Ude und Dr. Edmund Stoiber, ehemaliger Ministerpräsident Bayerns, sowie der verstorbenen Führungspersönlichkeiten wie Johannes Rau und Hans-Jochen Vogel für das jüdische Zentrum entscheidend waren.

Die Rede ging auch auf die Architektur und die vielen Unterstützer ein, die zum Entstehen des Zentrums beigetragen haben. Doch Knobloch betonte auch die Schatten der Vergangenheit und die gegenwärtigen Herausforderungen für die jüdische Gemeinschaft. Der Schrecken der Pogromnacht und die Erfahrungen ihrer Kindheit prägen sie bis heute und erinnern an die dunkelsten Stunden der Geschichte.

Aber es ist auch eine Geschichte des Wiederaufbaus und der Widerstandsfähigkeit. Trotz der Erinnerungen an den Hass und die Zerstörung, die Knobloch als Kind erlebte, sprach sie über das erneute Vertrauen in eine Stadt und ihre Menschen und die Hoffnung auf eine sichere jüdische Zukunft. Eine Zukunft, die allerdings immer noch von den Realitäten der Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen, wie Überwachungskameras und Metall-Detektoren, überschattet wird.

Knoblochs Worte widerspiegelten auch die aktuelle politische Landschaft mit Rechtsextremismus, Islamismus und Judenhass, die den Bedarf an Wachsamkeit und den Schutz jüdischen Lebens unterstreichen. Sie sprach die tragischen Ereignisse in Israel an und betonte die Bedeutung des Gedenkens.

Die Rede endete mit einer kraftvollen Botschaft der Hoffnung und des unbeugsamen Willens, ein jüdisches Leben in Deutschland zu führen, das frei von Angst ist. Knobloch rief dazu auf, den Traum eines friedlichen, sichtbaren und stolzen jüdischen Lebens fortzusetzen und bekräftigte die Entschlossenheit der Gemeinde, Teil der Stadt München zu bleiben.

Diese Worte sind ein leidenschaftlicher Appell für ein gemeinsames Bestreben nach einer Welt, in der keine Koffer mehr gepackt sein müssen, keine Herzen mehr beschwert sind – weder in München noch sonstwo auf der Welt.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Henning Schlottmann (User:H-stt) - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=139108094


Freitag, 10 November 2023

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